Die junge afroamerikanische Lyrikerin Amanda Gorman stahl Joe Biden bei dessen Amtseinführung am 20. Januar fast die Show, als sie ihr kraftvolles Gedicht „The Hill We Climb“ vortrug. Gerade wird das Werk in mehrere Sprachen übersetzt. Vergangenen Freitag lehnte die Autorin Marieke Lucas Rijnveld, die Gormans Gedicht ins Niederländische übersetzen sollte, den Auftrag ab – als Folge der heftigen Kritik daran, dass sie selbst nicht schwarz sei. 

Rijnveld machte ihre Entscheidung in einem Tweet öffentlich: „Ich bin schockiert über die Aufregung um meine Beteiligung daran, Amanda Gormans Botschaft zu verbreiten, und ich verstehe die Menschen, die sich verletzt dadurch fühlen, dass die Wahl von Meulenhoff (Gormans niederländischem Verlag, Anm. d. Red.) darauf fiel, mich zu fragen“, so Rijneveld, die selbst auch Lyrikerin ist. Ähnlich wie Gorman, die mit 22 die jüngste Poetin bei einer Amtseinführung war, war Rijneveld die jüngste Autorin aller Zeiten, die den International Booker Prize gewann – mit ihrem Roman „Was man sät“ im Jahr 2020. 

„Verpasste Chance“

Eine derjenigen, die Rijnveld aufforderten, den Job abzulehnen, ist Janice Deul, eine Aktivistin und Journalistin, die in der niederländischen Tageszeitung „De Volkskrant“ ein Meinungsstück über das Thema schrieb. „Nicht dass ich Rijnevelds Qualitäten schmälern will“, hieß es darin, „aber warum wählt man nicht eine Autorin aus, die – wie Gorman – Spoken-Word-Künstlerin ist, jung, eine Frau und ganz selbstverständlich schwarz“?

Marieke Lucas Rijneveld

„Ist es nicht mindestens eine verpasste Chance, Marieke Lucas Rijneveld für den Job angeheuert zu haben? Sie ist weiß, non-binär, hat keine Erfahrung auf dem Gebiet, ist aber laut Meulenhoff die ‚Traumübersetzerin'“, so Duel. Sie nannte auch ein paar denkbare Übersetzerinnen. Die Generaldirektorin von Meulenhoff, Maaike Le Noble, erklärte in einem Statement: „Wir werden nach einem Team suchen, mit dem wir gemeinsam daran arbeiten werden, Amandas…