Die Ausgangslage für Julia Klöckner könnte schlechter sein. Es gibt kaum jemanden, der sich öffentlich gegen Tierwohl im Stall oder gegen bessere Haltungsbedingungen für Nutztiere aussprechen würde. Über den Weg dahin und vor allem, wie er bezahlt werden soll, ohne Bauern und Verbraucher zu stark zu belasten, lässt sich allerdings trefflich streiten. Doch die CDU-Landwirtschaftsministerin bleibt auch nach Veröffentlichung eines Gutachtens zu dieser Frage zunächst unkonkret.

Zur Verbesserung der Bedingungen in der Tierhaltung sind hohe Investitionen nötig. Der Förderbedarf liegt Schätzungen zufolge langfristig bei etwa drei bis mehr als vier Milliarden Euro jährlich. Eine Kommission unter Leitung des früheren CDU-Agrarministers Jochen Borchert hatte vor einem Jahr Empfehlungen vorgelegt, wie das Tierwohl in der Nutztierhaltung verbessert werden kann. Nach langem Streit einigte sich der Bundestag schließlich grundsätzlich auf Änderungen im Kampf gegen Dumping-Fleisch. Die Regierung wurde aufgefordert, noch vor der Bundestagswahl im September eine Strategie mit Finanzierungsvorschlägen vorzulegen.

Die Finanzierungsvorschläge sind nun da, die Strategie fehlt aber noch. Sie halte »einen übergreifenden Konsens für notwendig«, sagte Klöckner bei der Vorstellung der Vorschläge. Und: Sie lade weiterhin alle »zu konstruktiven Gesprächen« ein. Beschleicht sie etwa die Angst vor der Aussicht auf möglicherweise teurere Würstchen und Nackensteaks im Grillsommer vor der Bundestagswahl? Die Ministerin weist das zurück, sie sieht bei den Parteien verbreitet eine »große Bereitschaft«, sich mit den Finanzierungsansätzen zu beschäftigen.

Es gehe darum, die Mehrkosten für Investitionen in mehr Tierwohl zu finanzieren, die die Bauern »an der Ladenkasse in der Regel nicht ausgeglichen« bekommen, sagte Klöckner. Nur die Gesetze für die Haltung zu verschärfen, reiche nicht: »Wer nur Standards anhebt, der treibt die Tierhaltung aus dem Land«, warnte sie. Es…