Es war ein merkwürdig stiller Herbst und Winter im rebellischen Hongkong. Monatelang hatten strenge Corona-Maßnahmen und das im Sommer von Peking verordnete Sicherheitsgesetz die Stadt in eine Art künstliches Koma versetzt.

Aber seit diesem Wochenende sind sie vereinzelt wieder unterwegs: junge Männer und Frauen in schwarzen Hosen und T-Shirts, dem Outfit der Protestbewegung von 2019, manche mit einem gelben Schirm in der Hand, dem Symbol der »Regenschirm-Proteste« von 2014. Ihr Ziel ist das Justizgebäude im Stadtteil West Kowloon, wo am Montag ein Verfahren begann, wie es Hongkong noch nicht gesehen hat.

47 Politiker und Aktivisten, darunter der frühere Studentenführer Joshua Wong und der prominente Jura-Professor Benny Tai, stehen vor Gericht. Anfang Januar waren sie und sechs weitere in einer groß angelegten Polizeiaktion festgenommen, dann, bis auf den bereits im Gefängnis sitzenden Wong, auf Kaution freigelassen, am Sonntag aber überraschend wieder in Gewahrsam genommen worden.

Sie sind unter dem vage formulierten, aber drakonischen Sicherheitsgesetz angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen eine »Verschwörung zum Umsturz« der Regierung vor, eine Straftat, die mit bis zu lebenslanger Haft geahndet werden kann.