Abweichlerisches oder ungehöriges Verhalten wird nicht gern gesehen im Reich der Mitte. Das Individuum hat sich dem Wohl der Allgemeinheit unterzuordnen – und wie dieses Wohl auszusehen hat, bestimmt die Kommunistische Partei. „Sie versteht sich als eine Art zivilisatorisches Regime und hat den Anspruch, die Bevölkerung auch moralisch zu erziehen“, sagt Björn Alpermann, Sinologe und Lehrstuhlinhaber für Contemporary Chinese Studies an der Universität Würzburg.

„Liebe die Partei und diene dem Sozialismus“

Ab dem 1. März gibt es jetzt spezielle Verhaltensregeln für einen ganzen Berufszweig: Künftig sollen Chinas Künstler sich an einem Leitfaden mit 15 Anweisungen orientieren, um – so die offizielle Erklärung – die Qualität der Darbietungen zu steigern, die Mitarbeiter in ein positives Licht zu rücken und die Entwicklung der Industrie voranzubringen.

Nicht nur Schauspieler, auch Sänger, Magier, Comedians und sogar Akrobaten sind von den Regeln betroffen. Zu den wichtigsten Geboten zählt die „Liebe zur Partei und ihren Prinzipien“ und der Dienst an „den Menschen und dem Sozialismus“.

Die Kommunistische Partei reglementiert auch das Sozialverhalten der Bevölkerung

Für Björn Alpermann ist diese Ansage der Regierung keine Überraschung: „Ich sehe das Vorgehen des Künstlerverbandes vor dem Hintergrund einer ganz harten Linie in der Gesellschaftspolitik unter Xi Jinping“, sagt er. „Auch UnternehmerInnen, AkademikerInnen und andere Berufsgruppen, welche die Partei als potenziell gefährlich ansieht, wurden in den letzten Jahren und Monaten Ziel solcher Kampagnen.“ Bei den KünstlerInnen käme noch hinzu, dass es in letzter Zeit eine Reihe von Skandalen in ihren Reihen gegeben habe, ergänzt er. „Die Partei sieht sie in der besonderen Pflicht, moralische Vorbilder zu sein, weil sie so große Fangemeinden besitzen.“

Öffentliche Buße ist Pflicht

In den Augen der Partei kläglich versagt als Vorbild hat erst kürzlich eine der populärsten Schauspielerinnen des…