SPIEGEL: Herr Ministerpräsident, waren Sie eigentlich schon beim Friseur?

Hans: Nein, ich lasse erst mal diejenigen vor, die es dringender brauchen. Hier und da habe ich selbst mit der Schere nachgearbeitet.

SPIEGEL: Kurz vor der Ministerpräsidentenkonferenz mit der Kanzlerin zeigt sich ein überaus widersprüchliches Bild: Die Infektionszahlen steigen, die Mutationen schlagen durch, Deutschland impft im Schneckentempo – trotzdem wollen Sie und Ihre Kollegen am Mittwoch lockern. Wie passt das zusammen?

Hans: Ich will keine weitreichenden Lockerungen, weil mich genau das umtreibt, was Sie da beschreiben: Die Zahlen gehen nach oben. Wir sind bereits in der dritten Welle, das ist eine neue Pandemie in der Pandemie. So langsam wie die Impfkurve steigt, müssen wir auch die Kurve der Neuinfektionen flach halten. Leider ist die von uns festgelegte 35er-Inzidenz-Grenze, ab der eigentlich gelockert werden sollte, in weite Ferne gerückt. Deshalb sollten wir jetzt nur weitergehend lockern, wenn wir gleichzeitig Tests in den entsprechenden Bereichen verpflichtend machen.

Zur Person

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Tobias Hans, geboren 1978, wurde im März 2018 zum saarländischen Ministerpräsident gewählt. Seit Oktober 2018 ist er auch Vorsitzender der CDU im Saarland. Zuvor war Hans Chef der CDU-Fraktion im Landtag. Als Ministerpräsident ist er der Nachfolger von Annegret Kramp-Karrenbauer.

Foto: Jens Büttner / picture alliance / dpa

SPIEGEL: Warum reden wir überhaupt von Lockerungen in dieser Situation?

Hans: Vor allem Kinder und Familien müssen nach all den Monaten des Shutdowns entlastet werden, aber mit großer Vorsicht. Hier im Saarland planen wir mit zwei Schnelltests pro Woche in Schulen und Kitas. Und bestimmte körpernahe pflegerische Leistungen sind mit strengen Hygieneauflagen wieder möglich. Darüber hinaus sehe ich ohne zusätzliche Tests wenig Spielraum. Komplette Öffnungen, etwa von Baumärkten finde ich schwer vorstellbar, wir sollten restriktiv bleiben….