von Malte Mansholt

01.03.2021, 17:05 Uhr

Donald Trump als Weltretter, den kindermordende Eliten aufzuhalten versuchen – das ist der Kern der Verschwörungs-Geschichte von QAnon. Im Interview erklärt Expertin Katharina Nocun, warum QAnon so groß werden konnte. Und wie man mit Leuten spricht, die daran glauben. 

Verschwörungs-Theorien gibt es wie Sand am Meer. Aktuell sticht aber keine so sehr heraus wie QAnon. Wie genau konnte diese Theorie so groß werden?

Das Faszinierende an QAnon ist, dass es eine Verschwörungs-Erzählung ist, die sich andere dieser Erzählungen einverleibt. Es ist nicht eine einzelne Verschwörung, sondern viele. Die Anhänger glauben nicht an den menschengemachten Klimawandel, aber an eine Wahlverschwörung in den USA. Teilweise kommen in diesem Milieu auch Verschwörungs-Klassiker wie Chemtrails vor.

Wie kommt es zu diesem Amalgam an Theorien?

Man muss sich das wie eine Art Baukastensystem vorstellen. QAnon ist extrem anschlussfähig an ziemlich viele bestehende Verschwörungs-Narrative und versucht, daraus eine Art große Geschichte zu machen. Wie eine Art Flickenteppich. Die unterschiedlichen Fragmente ergeben ein gemeinsames Bild, das sich immer weiter verändert. Diese Wandlungsfähigkeit macht es auch spannend für die Menschen, weil es immer etwas Neues zu entdecken gibt und man das Gefühl bekommt, sich in etwas hineingearbeitet zu haben.

© Miriam Juschkat / PR

Katharina Nocun

Die studierte Politik- und Wirtschaftswissenschaftlerin Katharina Nocun arbeitete als Journalistin, Bloggerin und Netzaktivistin. Zudem war sie Datenschutzbeauftragte der Piratenpartei in Niedersachsen. Mit QAnon beschäftigte sie sich im Rahmen ihres gemeinsam mit der Sozialwissenschaftlerin Pia Lamberty verfassten Buches „Fake Facts: Wie Verschwörungstheorien unser Denken…