Der inhaftierte Kremlkritiker Alexej Nawalny ist in ein Straflager in der Nähe von Moskau gebracht worden. Er werde in dem rund hundert Kilometer östlich der Hauptstadt gelegenen Lager seine Haftstrafe verbüßen, berichtete die Nachrichtenagentur RIA am Sonntag unter Berufung auf eine Kommission, die die Rechte russischer Gefangener vertritt.

Unter Anrechnung früherer Haftzeiten und eines mehrmonatigen Hausarrests könnte der Oppositionelle nach Berechnungen seiner Anwälte nach zwei Jahren, sechs Monaten und zwei Wochen freikommen – also im Sommer 2023.

In dem Lager in Pokrow verbüßen Medienberichten zufolge rund 800 Menschen ihre Strafe.

Nawalnys Mitstreiter Leonid Wolkow hatte zuvor in den sozialen Medien geschrieben, die Familie und Anwälte des Inhaftierten seien seit Donnerstag nicht offiziell über seinen Aufenthaltsort informiert worden.

Angst um Nawalny

Nawalny hatte 2020 einen Giftanschlag in Russland überlebt und war in Deutschland ärztlich behandelt worden. Bei seiner Rückkehr in seine Heimat im Januar wurde er festgenommen, weil er während seiner Abwesenheit gegen Bewährungsauflagen aus einer früheren Verurteilung wegen Untreue verstoßen haben soll.

Ein Gericht wandelte die frühere Bewährungsstrafe in eine Haftstrafe um. Die Entscheidung wurde international scharf verurteilt und löste Massenproteste in Russland aus. Die Verurteilung wurde vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte als ungerechtfertigt angesehen.

Menschenrechtler erklärten mit Blick auf die in Russland gefürchteten Straflager, sie hätten nun Angst um Nawalny. Diese Haftanstalten sind berüchtigt für rohe Gewalt, Folter und auch Todesfälle.

Zuletzt sorgten Berichte über Folter in einem Straflager in Sibirien für Schlagzeilen. Aufseher hatten demnach einen verletzten Gefangenen mit Klebeband fixiert und weitere Gewalt von Mitgefangenen zugelassen.

Icon: Der Spiegel