Italiens parteiloser Ex-Premier Giuseppe Conte ist nach seinem Rücktritt im Januar auf dem Weg zurück in die Politik. Am Sonntagnachmittag traf er sich mit führenden Politikern der Fünf-Sterne-Bewegung zu einer Beratungsrunde über die Zukunft der Partei in Rom. »Giuseppe Conte hat die Einladung angenommen, in den kommenden Tagen ein Projekt zur Neugründung der Fünf-Sterne-Bewegung zu entwickeln«, hieß es im Anschluss an das Treffen auf der Facebook-Seite der Partei.

Conte stand der Anti-Establishment-Partei stets nahe. Aus den Reihen ihrer Mitglieder wurde er als idealer Kandidat für den Vorsitz ins Spiel gebracht. Landwirtschaftsminister Stefano Patuanelli, der der Partei angehört, sagte der Zeitung »La Repubblica«, Conte habe das richtige Profil für eine Neugründung. Er sei der einzige, der imstande ist die verschiedenen Strömungen der Fünf-Sterne-Bewegung zu vereinen. Auch Parteigründer und Komiker Beppe Grillo, der am Sonntag mit einem Astronautenhelm beim Gipfel erschien, soll Medienberichten zufolge hinter Conte stehen.

Fünf-Sterne-Bewegung sucht neue Führung

Seit mehr als einem Jahr sucht die Bewegung eine neue Führung. Wegen der Corona-Pandemie hatte die stärkste Kraft im Parlament die Wahl eines Vorsitzenden verschoben. Zuletzt rumorte es in der Partei, als mehrere Politiker anders als vereinbart beim Vertrauensvotum im Zwei-Kammern-Parlament gegen die Regierung des neuen Ministerpräsidenten Mario Draghi gestimmt hatten.

Zuvor war Conte an der Macht. Sein Mitte-Links-Bündnis hatte nach dem Austritt der Kleinpartei Italia Viva Mitte Januar die Mehrheit verloren. Conte war kurze Zeit später als Premier zurückgetreten. Er kehrte wieder in seinen Job als Dozent für Privatrecht an die Universität von Florenz zurück, an der er am vergangenen Freitag eine Vorlesung über seine politischen Erfahrungen in der Pandemie hielt.

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