Im vergangenen Oktober, als das Robert Koch-Institut wieder eine neue Rekordzahl an Corona-Fällen vermeldete, lud Hendrik Streeck ein Kamerateam in seine Wohnung. So kam es, dass eine RTL-Reporterin vor der Tür des »wohl bekanntesten Virologen Deutschlands« stand, um ihn und seinen Retriever Sam »ganz privat« kennenzulernen.

Homestorys von Stars sind oft dazu gedacht, das Image einer medial gebeutelten Person aufzupolieren. Streecks Ausgabe hingegen beginnt mit einem bedenklichen Dialog: »Die Maske anlassen oder ausziehen?«, fragt die Reporterin. Streeck, der selbst keinen Mund-Nasen-Schutz trägt, winkt ab: »Wir halten Abstand.«

Die beiden gehen ins Haus, hocken sich auf die Sofakante. Es folgen mehrere Minuten, in denen der Forscher Fragen zu seinem Leben beantwortet, aufschreit, als der Retriever nach seiner Hand schnappt – und recht wenig Abstand zu der Reporterin hält.

Die Homestory wie auch die Talkshow, sie zählten bislang nicht zum gewöhnlichen Habitat von Forschern – und Streecks Auftritt war auch nur bedingt dazu angetan, Vertrauen in eine Wissenschaft zu vermitteln, die in Zeiten der Pandemie so massiv das Leben bestimmt.