Jeden Tag ist Jan-Philipp Sendker in Kontakt mit seinen Freunden und Kollegen in Myanmar. „Manche erzählen mir, dass sie Angst haben, abgeholt zu werden. Die sitzen quasi auf gepackten Koffern“, berichtet der Schriftsteller im DW-Gespräch. Auch wenn das Militär die Massenproteste bislang nicht gewaltsam aufgelöst hat, so fürchten sich die Menschen vor den nächtlichen Verhaftungen. Auch regimekritische Journalisten und Autoren sollen bereits aus ihren Wohnungen geholt worden sein.

Ein schreckliches Gefühl sei das, sagt Jan-Philipp Sendker, in Gedanken an seine Verlegerin und seinen Übersetzer. Seine Roman-Reihe zu Myanmar, ein millionenfach verkauftes Familienepos, wurde auch ins Birmanische, die offizielle Amtssprache von Myanmar, übersetzt und entwickelte sich dort zum Bestseller. Unzählige Male bereiste der 61-Jährige das Land, erstmalig 1995 als Journalist, später bis zu drei Mal im Jahr als Schriftsteller. Wie auch die Menschen vor Ort war er zunächst schockiert über den nunmehr dritten Militärputsch in der Geschichte des Landes. Jetzt verfolgt er täglich verblüfft und berührt die Massenproteste. „Der Widerstand ist so breit und fantasievoll“, sagt Sendker.

„Keine blutrünstigen Monster“

Dennoch bleibt die Sorge: Wie lange schaut das Militär dabei zu, wie sich täglich mehr und mehr Menschen auf den Straßen mobilisieren? Schließlich wurden bereits einzelne Demonstranten von Scharfschützen erschossen. Und wozu die Junta fähig ist, zeigte das blutige Niederschlagen der Proteste sowohl 1988 als auch 2007. „Ich habe auf meinen Reisen immer wieder Soldaten kennengelernt“, erzählt Sendker. „Das sind keine blutrünstigen Monster.“ Aus der Tatenlosigkeit im rund 8000 Kilometer entfernten Potsdam entschied er sich daher, sich direkt an die Soldaten zu richten.

 

„Ich weiß nicht, warum Du der Armee beigetreten bist“, beginnt Jan-Philipp Sendker seinen offenen Brief. Vielleicht weil bereits der Vater und Großvater bei der Tatmadaw, wie das Militär in…