Er war sich selbst nicht sicher. Ein Blick zur Seitenauslinie, dann ein Blick zu den Mitspielern, schließlich ein Lächeln und ein für einen Stürmer höchst verhaltener Jubel. Soeben hatte der US-Amerikaner Joshua „Josh“ Sargent das 2:1 gegen Eintracht Frankfurt und damit den Siegtreffer für Werder Bremen erzielt. Noch einmal ein Blick auf die TV-Bilder, eine Nachfrage bei den Video-Schiedsrichtern, dann war die Sache klar. Jedenfalls offiziell. Zum Nachspiel kommen wir später. 

Zum Leidwesen des Schiedsrichters

Der rothaarige Sargent macht es einem eben nicht leicht. Generell bei Werder nicht: Hatten sich die Fans doch mitunter eine höhere Torausbeute von dem gelernten Mittelstürmer aus O’Fallon/Missouri versprochen. Und in diesem Spiel nicht, weil er – vor allem zum Leidwesen des ohnehin sehr geforderten Schiedsrichters Robert Hartmann und seinen Assistenten – stets am Rande der Regelwerks operierte. Abseits? Nicht Abseits? Sargent: stets auf dem Sprung an dieser imaginären Linie. Und man hätte nicht behaupten können, dass die Frankfurter Verteidigung ihn dort bewusst bloßgestellt hätte.

Hier jubelte Sargent – allerdings zu früh

Und so erzielte Sargent in der 28. Minute einen ersten Treffer, der nicht zählte: Abseitstor. Dann, nachdem Theodor Gebre Selassie das Bremer Team nach Rückstand (durch André Silva in der 9. Minute) wieder herangebracht hatte, in der 62. Minute jener Siegtreffer. Fünf Minuten später der nächste Schuss auf das Frankfurter Tor, den Kevin Trapp gerade noch parieren kann. In der 69. Minute ist Sargent dann auf der rechten Seite wieder durch und passt auf Schmid. Der trifft, was nichts nützt – denn: Abseits.

Das Wechselbad

Dieses Wechselbad zwischen „Richtig gut“ und „Knapp daneben“ ist es, was Sargents Spiel bei der Werder, bei der er seit 2018 unter Vertrag steht, auszeichnet. Man stelle sich nur einmal vor, aus den vielen Abseitspositionen wäre an diesem 23. Spieltag nichts geworden. Einmal mehr hätten Kritiker des Stürmers…