Das Coronavirus breitet sich in Deutschland wieder schneller aus – und die inzwischen begonnene dritte Welle könnte ähnlich stark ausfallen wie die zweite.

»Ich gehe schon davon aus, dass wir wieder so Zustände wie vor Weihnachten bekommen werden«, sagt der Saarbrücker Pharmazie-Professor Thorsten Lehr. Er arbeitet am Covid-19-Simulator der Universität des Saarlandes, das ein Vorhersagemodell für die deutschen Bundesländer und Landkreise liefert.

Lehr rechnet damit, dass in der ersten Aprilhälfte wieder Sieben-Tage-Inzidenzen um 200 erreicht werden könnten. Zwei Entwicklungen seien für den erneuten Anstieg verantwortlich:

Zum einen greife die wohl auch tödlichere britische Mutation B.1.1.7 um sich, die um 35 Prozent infektiöser sein soll. »Sie wird auch hier die Oberhand gewinnen und weiter ansteigen bis in den 90-Plus-Bereich«, sagt Lehr nach Analyse der jüngsten Zahlen des Simulators.

Zum anderen sehe er seit Mitte Februar wieder mehr Kontakte, die zu höheren Zahlen geführt hätten.

Nach den jüngsten Zahlen großer Labore hat die britische Variante inzwischen einen Anteil von 30 Prozent erreicht, offizielle Zahlen des Robert-Koch-Instituts hierzu werden erst kommende Woche erwartet.

Auch ohne Lockerungen bald wieder bei 100er-Inzidenz

Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz steigt jedoch weiter und liegt heute bundesweit bei 63,8 je 100.000 Einwohner, am Freitag hatte der Wert 62,6 betragen. Die Gesundheitsämter meldeten dem RKI 9762 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages.

»Ich befürchte, das hat ein bisschen was mit einer Lockdown-Müdigkeit zu tun. Und auch vielleicht mit einem Wiederanlaufen des normalen Lebens in gewissen Bereichen«, sagt Lehr. Dennoch stehen vor der Bund-Länder-Schalte am Mittwoch Öffnungen im Raum – außer den Friseuren und anderen Betrieben ab dem 1. März erwägen die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten weitere Schritte ab dem 8. März. Der Druck aus der Wirtschaft zu Lockerung ist hoch.

»Auch wenn die Lockerungen…