Der Fall Nawalny, die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, das Dauerstreitthema nukleare Abrüstung: Das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen ist derzeit vielfältig belastet. Ex-Sowjetpräsident Michail Gorbatschow hofft jedoch, dass beide Seiten wieder mehr miteinander ins Gespräch kommen – auf höchster Ebene. Die Verlängerung des atomaren Abrüstungsvertrags New Start Anfang Februar reicht dem früheren Kremlchef dabei nicht aus.

Gorbatschow rief laut der Nachrichtenagentur Interfax den neuen US-Präsidenten Joe Biden und dessen russischen Kollegen Wladimir Putin zu neuen Verhandlungen über weitere Abrüstungsschritte auf. Ein persönliches Treffen von Putin und Biden sei »zwingend erforderlich«.

»Die Erfahrung zeigt, dass es notwendig ist, sich zu treffen und zu verhandeln«, sagte Gorbatschow, der am Dienstag 90 Jahre alt wird. »Die Hauptsache ist heute, einen Atomkrieg zu verhindern«, mahnte Gorbatschow. »Um einen Fortschritt zu erzielen, muss man offen aufeinander zugehen.«

Seine Erfahrungen mit US-Präsident Ronald Reagan in den Achtzigerjahren hätten gezeigt, dass die führenden Vertreter der beiden größten Atommächte in Fragen der globalen Sicherheit viel erreichen könnten, wenn sie wollten. Washington und Moskau hatten unter dem Reformer Gorbatschow mehrere atomare Abrüstungsverträge geschlossen.

Unter Bidens Vorgänger Donald Trump hatten sich die USA aus dem Großteil der Abkommen zurückgezogen. So stiegen sie aus dem INF-Vertrag über die atomare Abrüstung im Mittelstreckenbereich aus. Auch kündigten die USA den Open-Skies-Vertrag über Rüstungskontrolle aus der Luft auf.

Kurz nach Bidens Amtsantritt Ende Januar hatten sich beide Seiten schließlich doch darauf verständigt, den letzten großen atomaren Abrüstungsvertrag New Start um fünf Jahre zu verlängern. Beide Länder verpflichten sich darin, die Zahl ihrer Atomsprengköpfe auf jeweils maximal 1550 zu beschränken.

Gorbatschow glaubt auch an besseres Verhältnis zur EU

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