Der Sinn der Demokratie besteht darin, den politischen Wechsel zu organisieren. So lehren es die Parlamentarismus-Seminare an den Universitäten, so predigen es die Parteiführer in ihren Sonntagsreden. Im allmählich heiß laufenden Vorwahlkampf um das Berliner Kanzleramt dagegen scheint das Gegenteil zu gelten. Als sei das Weiter-so die höchste Form des Wandels, liefern sich die drei aussichtsreichsten Bewerber um den Posten gerade einen bizarren Wettlauf um die Frage, wer sich den Wählern im Herbst als getreueste Kopie von Amtsinhaberin Angela Merkel zu präsentieren versteht.

CDU-Chef Armin Laschet hat seinen konservativen Herausforderer Friedrich Merz mit der Ansage besiegt, den Mittekurs der Kanzlerin möglichst bruchlos fortzusetzen. SPD-Kandidat Olaf Scholz sieht als entscheidenden Pluspunkt, nicht nur so regierungserfahren, sondern mindestens auch so langweilig zu sein wie Merkel. Und der bayerische Ministerpräsident Markus Söder inszeniert sich aktuell als der konsequenteste Vollstrecker der Merkel-Politik überhaupt. Nicht nur bei Corona, sondern auch darüber hinaus.