Wenn Israelis in den Abendnachrichten Yaron Blum sehen, wissen sie: Jetzt geht es um Leben und Tod. Er ist ein bekanntes Gesicht, was weniger an seinem imposanten Schnauzbart und der randlosen Brille mit den roten Bügeln liegt als an seinem Job.

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Verhandelt für Israel über Leben und Tod: Yaron Blum

Foto: Yonatan Sindel / Flash90

Yaron Blum ist Koordinator für Kriegsgefangene und im Einsatz vermisste Soldaten. Wenn die Regierung von Premier Benjamin Netanyahu über das Schicksal von Soldaten mit seinen Feinden verhandelt, ist Yaron Blum seit 2017 immer offiziell dabei.

Der 62-Jährige hat zuvor lange für den Inlandsgeheimdienst Schin Bet gearbeitet. Mit der palästinensischen Terrorgruppe Hamas hat er über die Freilassung von Gilad Schalit verhandelt, bis der 2011 lebend aus seiner Gefangenschaft im Gazastreifen zurückkam. Im Gegenzug wurden mehr als 1000 Palästinenser aus israelischen Gefängnissen entlassen. Der Fall machte damals weltweit Schlagzeilen.

Israels Gefangenenaustausch-Operationen hatten schon oft eine leicht makabre Note. Denn: Wenn Israel mit seinen Todfeinden von der libanesischen Hisbollah oder der Hamas im Gazastreifen über einen Austausch verhandelte, ging es mitnichten nur um Gefangene. Verschleppte gilt es um jeden Preis zurückzuholen, egal wann, egal, wie viel von ihnen noch übrig war oder ist, so Israels Grundsatz. So tauschten die islamistischen Milizen weit häufiger Knochen, tiefgefrorene Gliedmaßen und persönliche Gegenstände als lebende israelische Geiseln ein.

Ein kleiner Gefangenenaustausch, viele große Verlierer

Dennoch waren die stets mit großem Aplomb begangenen Übergaben ein politischer Erfolg für alle Beteiligten. Nun hat ein vergleichsweise kleiner Transfer – zwei syrische Schäfer gegen eine Zivilistin aus Israel – sich zur Affäre ausgewachsen, die nach und nach alle Beteiligten ramponiert. Die Protagonisten dieser geopolitischen Tragikomödie: Russland, das syrische Assad-Regime,…