Das Elend lässt sich in einer Zahl zusammenfassen: 3,1. Um so viele Jahre ist das Durchschnittsalter von Berufs- und Zeitsoldaten seit 2012 gestiegen. Damals, kurz nach dem Aussetzen der Wehrpflicht, lag es bei 30,3 Jahren, inzwischen sind diese Soldaten im Durchschnitt 33,4 Jahre alt.

Was harmlos klingt, ist in Wahrheit besorgniserregend. Diese Entwicklung sei »mit Blick auf die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte wenig zweckdienlich«, schreibt die neue Wehrbeauftragte in ihrem ersten Jahresbericht, der an diesem Dienstag veröffentlicht wird. Der Trend dürfe sich nicht »verstetigen«, warnt die Sozialdemokratin Eva Högl, »wachsende Strukturen in Ämtern, Stäben und im Ministerium tragen nicht zur Attraktivitätssteigerung von Verwendungen in der Kampftruppe bei«.

Eine alternde Truppe, die immer kopflastiger wird, schreckt zwar auch noch ab – aber eben nicht mehr den Russen, sondern vor allem »körperlich uneingeschränkt einsetzbare, zumeist junge Soldatinnen und Soldaten«, die der Kampftruppe fehlen.

Überall fehlt Personal

Der Personalmangel der Bundeswehr ist inzwischen dramatisch. Ende 2020 waren mehr als 20.000 militärische Dienstposten in den höheren Laufbahnen unbesetzt, jede fünfte Kraft fehlte, und die Pandemie hat diese Entwicklung noch verschärft. Im vergangenen Jahr wurden Corona-bedingt 19 Prozent weniger Frauen und Männer eingestellt als im Vorjahr. Um die internen Ziele zumindest halbwegs einhalten zu können, versuchte die Truppe, bereits aktive Soldaten länger zu halten, »was wiederum zur Folge hat, dass die Bundeswehr immer älter wird«, schreibt Högl.

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Wehrbeauftragte Eva Högl mit Soldaten im temporären Corona-Behandlungszentrum auf dem Berliner Messegelände

Foto: Christoph Soeder / picture alliance/dpa

In einigen Bereichen fehle ein Drittel oder gar die Hälfte des erforderlichen Personals, und das schon seit Jahren. Die Bundeswehr nehme nicht nur Einbußen bei der Auftragserfüllung in…