Es ist nicht das erste Mal, dass das russische Haftlager Jaroslawl durch grausame Vorwürfe in die Schlagzeilen gerät: Bereits im Jahr 2018 wurde ein Vorfall bekannt, bei dem Gefängniswärter einen Insassen mit Schlägen und Tritten misshandelt haben sollen. Nun erschüttert ein weiterer Skandal um mutmaßlich gefolterte Häftlinge das Gefängnis rund 250 Kilometer nördlich von Moskau.

Unabhängige russische Medien haben erneut Videos veröffentlicht, die Folter von Gefangenen in dem Straflager beweisen sollen. Darauf sind zwei Fälle zu sehen, in denen Wärter brutal auf fast nackte Häftlinge einprügeln; einer der beiden Männer soll nach der Misshandlung im Krankenhaus gestorben sein.

Die kremlkritische Zeitung »Nowaja Gaseta« gab an, die am Dienstag publizierten Aufnahmen seien in den Jahren 2016 und 2017 im Lager Jaroslawl entstanden. Eine Menschenrechtsorganisation soll sie den Journalisten zugespielt haben.

Russische Behörde leitet Ermittlungen ein

Auf Grundlage der nun veröffentlichten Videos wurden neue Ermittlungen eingeleitet, berichtete die Agentur Interfax unter Berufung auf die zuständige Behörde. Außerdem seien mehrere Gefängnismitarbeiter vorübergehend vom Dienst suspendiert worden. Aus russischen Straflagern werden immer wieder Fälle roher Gewalt und auch Todesfälle gemeldet.

Erst in der Nacht zu Montag hatte der Radiosender Echo Moskwy von der Folter eines Gefangenen durch Mithäftlinge in einem Lager in der sibirischen Stadt Irkutsk berichtet. Statt dem Schwerverletzten zu helfen, hätten Aufseher ihn mit Klebeband fixiert und weitere Gewalt anderer zugelassen. Der Leiter wurde dem Bericht zufolge entlassen.

Auch Kremlkritiker Nawalny soll in Lagerhaft

Auch Kremlkritiker Alexej Nawalny soll bald in ein Straflager kommen, nachdem ein Moskauer Gericht ein entsprechendes Urteil gegen ihn am Samstag bestätigt hat. Unter Anrechnung früherer Haftzeiten und eines mehrmonatigen Hausarrests könnte der Oppositionelle nach Berechnungen seiner Anwälte im…