Der Hals kratzt. Ist das Corona? Hm, so schlimm fühlt es sich auch wieder nicht an, lieber mal noch einen Tag abwarten, ob es wieder verschwindet. Am nächsten Morgen sind Husten und Gliederschmerzen dazugekommen. Könnte auch eine normale Erkältung sein. Vielleicht doch mal einen Corona-Test machen, man weiß ja nie in diesen Zeiten.

Die Hausärztin hat erst am Abend ihre Corona-Sprechstunde. Der Abstrichtupfer geht am darauffolgenden Morgen per Post ins Labor. Am Abend ruft die Hausärztin an: Das Ergebnis ist positiv, der Patient soll sich isolieren und darauf warten, dass das Gesundheitsamt anruft. Das meldet sich am nächsten Tag und ordnet die häusliche Isolierung an. Außerdem will es eine Liste der Kontakte, die der Patient in den vergangenen sechs Tagen getroffen hat. Wer war das noch mal alles?

Bis zum Anruf des Gesundheitsamts sind rund vier Tage seit dem ersten Halskratzen vergangen – und rund sechs Tage, seitdem der Patient ansteckend für andere geworden ist.

Nicht in allen Fällen verläuft es so wie in diesem fiktiven Beispiel. Doch offenbar in vielen, wie die Initiative »No Covid« in ihrem Strategiepapier anmerkt. Durchschnittlich vergehen demnach mehr als vier Tage von dem Zeitpunkt an, an dem Menschen erste Symptome verspüren, bis zum ersten Kontakt mit dem Gesundheitsamt. Gerade in den besonders infektiösen Tagen vor und nach Symptombeginn sind viele noch gar nicht in Quarantäne. Die Anordnung kommt oft erst, wenn die Infektion schon wieder abklingt.