In der neuen Affäre um den Bundeswehr-Eliteverband »Kommando Spezialkräfte« (KSK) gerät das Verteidigungsministerium samt Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in Erklärungsnot. Nach SPIEGEL-Informationen ergaben interne Recherchen im Ministerium, dass das Heer wie auch Top-Militärs und Spitzenbeamte im Ministerium sehr früh über eklatante Brüche des Dienstrechts durch KSK-Chef Markus Kreitmayr informiert waren, aber kaum etwas unternahmen, um die Vorfälle zu verfolgen.

Der Vorgang wird damit auch für die Ministerin gefährlich. Die Vorfälle seien »auf allen Ebenen, von Herrn Kreitmayr bis hoch zu Ministerin Kramp-Karrenbauer, erklärungsbedürftig«, sagte die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl (SPD), am Dienstag.

Für Kramp-Karrenbauer sind die kommenden Tage entscheidend. Für Mittwoch hat die Opposition die Ministerin samt Generalinspekteur in den Bundestag vorgeladen, beide müssen im Verteidigungsausschuss Rede und Antwort stehen. Kann die CDU-Politikerin dort nicht überzeugend die drängendsten Fragen ausräumen, könnte die Affäre in einer parlamentarischen Untersuchung der Vorgänge münden.

Dabei geht es um ein sogenanntes Amnestie-Angebot, dass der KSK-Kommandeur Markus Kreitmayr seinen Soldaten im März 2020 machte. In der Zeppelin-Kaserne in Calw war damals aufgefallen, dass zehntausende Schuss Munition, aber auch Sprengstoff und Handgranaten fehlten. Kreitmayr ermunterte daraufhin seine Soldaten, zuvor entwendetes Material in Sammelboxen zurückgeben – anonym. Dazu wurden Paletten vor den Gebäuden der Einsatzkompanien aufgestellt.

Tatsächlich wurde das Angebot rege genutzt. Innerhalb weniger Wochen kamen rund 37.000 Schuss Munition verschiedener Kaliber zusammen. In den Boxen fanden sich allerdings auch eine zündfähige Handgranate und andere Sprengmittel. Für den KSK-Chef war die Aktion damit ein Erfolg: Er konnte melden, dass die in den Büchern entdeckten Fehlbestände an Munition und anderem Material glücklicherweise wieder…