Annalena Baerbock sieht die Familienpolitik zu Beginn der Coronakrise im vergangenen Frühjahr als »das größte Versagen dieser Bundesregierung« an. Im SPIEGEL-Spitzengespräch mit Moderator Markus Feldenkirchen sagte die Grünenchefin, es sei »überfällig, endlich den Fokus auf Kinder und Familien zu legen« – und kritisierte, dass dies nicht bereits zu Beginn der Pandemie erfolgt sei.

Die Schulöffnungen hätten mit einer Schnelltest-Strategie einhergehen müssen, sagte Baerbock. »Ich halte es für richtig, Kinder nicht in dieser Isolation zu belassen, weil das hat dramatische Auswirkungen, und zwar auf jedes Kind.« Deswegen habe sie einen »Bildungsrettungsfonds« für Tests und Luftfilter gefordert.

Sie finde es richtig, dass die Schulen nun vielerorts coronabedingt die Klassenstärken halbiert hätten. Die Tests müssten nun so schnell wie möglich an die Schulen kommen. In einigen Bundesländern hat der Präsenzunterricht wieder begonnen. Allerdings ist unklar, wie lange dies angesichts des Infektionsgeschehens möglich ist.

Grundsätzlich habe die Regierung nicht genug Vorsorge getroffen, kritisierte Baerbock – und monierte, »dass man immer erst handelt, wenn die Krise wirklich richtig da ist«. Das kennzeichne die vergangenen 16 Jahre der CDU-geführten Regierung. »Es zeichnet sich durch, durch die letzten Jahre und leider auch durch diese Pandemie, dass man immer nur auf Sicht gefahren ist«, sagte sie.

Baerbock wies den oft geäußerten Vorwurf, es sei immer noch vielen Wählerinnen und Wählern unklar, wo die Grünen eigentlich stünden, zurück. »Im sozialpolitischen Bereich sind wir eher links, im Bereich von Klimapolitik sagen wir, wir brauchen Technologie, wir brauchen vor allen Dingen auch die Wirtschaft. Deswegen kann man uns nicht in Schubladen packen.«

Die Grünen hatten sich vor wenigen Monaten in ihrem Grundsatzprogramm zur »Leitidee eines bedingungslosen Grundeinkommens« bekannt. Baerbock war auf dem Parteitag dagegen, konnte sich aber…