Er watet durch den knöcheltiefen Schlick, und für ein paar Minuten hört man nur noch das Schmatzen sich entfernender Gummistiefel und die Möwen, die über ihm kreischen. Himmel, Erde und das seichte Meer dazwischen verschwimmen an diesem eiskalten Tag zu einer monochromen Endzeitkulisse. Tom Haward stapft in seinem Ölzeug mühsam durch sie hindurch: ein kleiner gelber Punkt im großen Grau, der sich hin und wieder bückt, um Austern aus dem Modder zu klauben. Dann dreht er sich um und grinst: »Willkommen in meiner Welt. Ich liebe sie.«

Wer weiß, wie lange sie noch existiert.

Er ist auch an diesem frühen Montagmorgen im Februar auf der »Jacqueline Anne« rausgefahren zu den Austernbänken vor der Insel Mersea im Osten Englands, die seiner Familie seit Jahrhunderten ein Einkommen sichern. »Wir sind vermutlich der älteste Austernbetrieb der Welt«, sagt Tom Haward, 39 Jahre alt, Knopfaugen und Hipsterbart, den sie hier frotzelnd »8th gen« nennen – die achte Generation.

Die neunte ist schon unterwegs, im April erwartet Hawards Partnerin ihr erstes Kind. Es soll einmal in die Gummistiefelabdrücke seines Vaters treten. Doch der ist sich seit Neuestem nicht mehr sicher, was die Zukunft bringen wird. »Ich wünschte, ich würde nicht recht behalten«, schnauft Haward, »aber ich habe immer gesagt, der Brexit wird die britische Fischindustrie ruinieren.«