„Wir sind in einer Situation, die militärisch, mit Blick auf Menschenrechte und humanitär völlig außer Kontrolle ist“, sagte Finnlands Außenminister Pekka Haavisto vor Journalisten in Brüssel. Er warnte davor, dass fehlender Zugang für Hilfsorganisationen nach Tigray viele Menschen als Flüchtlinge nach Europa treiben könnte.

Mehr als drei Monate, nachdem der äthiopische Regierungschef Abiy Ahmed einen Militäreinsatz gegen die in Tigray regierende Volksbefreiungsfront TPLF gestartet hat, sei „kein Ende in Sicht“, sagte Haavisto. Der finnische Außenminister war diesen Februar im Auftrag des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell nach Addis Abeba gereist und hatte dort auch Regierungschef Abiy getroffen. Die äthiopische Regierung habe bei den Gesprächen kein „klares Bild“ von der Lage in Tigray vermitteln können. Auch zur Frage, inwieweit Truppen aus dem benachbarten Eritrea in den Konflikt verwickelt sind, habe es keine klare Antwort gegeben.

Pekka Haavisto hatte am Montag die EU-Außenminister über seine Reise informiert

Die Regierungen in Addis Abeba und Asmara haben beide dementiert, dass eritreische Truppen an dem Konflikt beteiligt sind. Dies widerspricht allerdings Berichten von zahlreichen Augenzeugen. Die EU hat wie die USA den Rückzug der Truppen aus Eritrea gefordert.

Zehntausende Menschen aus Tigray in den Sudan geflohen

Haavisto betonte, er habe die Forderung der EU an die äthiopische Regierung bekräftigt, vollständigen Zugang für humanitäre Hilfe in der Krisenregion zu gewähren. Die EU hält seit Dezember 90 Millionen Euro an Hilfsgeldern zurück, weil sie unter anderem ihre Forderung nach freiem Zugang für Hilfsorganisationen als nicht erfüllt ansieht.

Laut verschiedenen Hilfsorganisationen ist ein großer Teil der Bevölkerung in Tigray von humanitärer Hilfe abgeschnitten. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfwerks dauert die Fluchtbewegung aus Tigray in den benachbarten Sudan an. In den vergangenen Tagen hätten 7000 weitere Menschen auf…