Nach fast einem Jahr in der Pandemie sind die Erfahrungen höchst unterschiedlich, die Menschen mit Corona verbinden – in einem Punkt dürften sie sich jedoch fast alle gleichen: So viel Zeit hat man noch nie in der eigenen Wohnung verbracht. Wobei sich diese gemeinsame Erfahrung wiederum sehr verschieden anfühlen kann. Die einen lernen noch mehr zu schätzen, über ein eigenes Zimmer für jede Person und vielleicht sogar einen Garten zu verfügen. Die anderen erfahren hingegen jeden Tag aufs Neue schmerzhaft, wie klein ihre Wohnung doch ist. Wohnen gehört zu den zentralen sozialen Unterschieden, die die Pandemie noch prägnanter zum Vorschein bringt.

Vor zweieinhalb Jahren hatte ein breites Bündnis den Kampf gegen diesen Missstand versprochen: Im September 2018 beschlossen Bund, Länder und Kommunen zusammen mit mehr als einem Dutzend Verbände der Immobilien- und Wohnungsbranche, Mieterbund, Gewerkschaften und Baubranche ein ganzes Paket an Maßnahmen, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. An diesem Dienstag wollen die Beteiligten nun gemeinsam eine Bilanz ziehen.

Vergleich mit 41 Teilgruppen

Es ist unwahrscheinlich, dass diese Bilanz eindeutig ausfallen wird: Während Bundesbauminister Horst Seehofer (CSU) vorab mitteilte, die vereinbarten Maßnahmen seien umgesetzt worden und sein Ministerium dazu eine nahezu abgearbeitete Checkliste führt, widersprechen Vertreter von Gewerkschaften und Mieterbund: Es werde immer noch zu wenig und am Bedarf vorbei gebaut, zudem schwinde die Zahl der Sozialwohnungen weiter. Die politische Diskussion über ein mögliches Verbot von Einfamilienhäusern in großstädtischen Ballungsräumen hat das Thema Wohnraum zuletzt noch einmal aufgeheizt und um einen neuen Aspekt erweitert.

Tatsächlich ist 2019 laut amtlicher Statistik in Deutschland die Zahl der Menschen in überbelegten (also zu kleinen) Wohnungen um 340.000 auf 6,4 Millionen gestiegen – in den Städten ist inzwischen rund jeder und jede Achte davon betroffen.

Doch wie wohnen…