SPIEGEL: Die USA und die Europäische Union hatten gehofft, dass die Anerkennung des Parlamentspräsidenten Juan Guaidó als Interimsstaatschef einen Regimewechsel in Venezuela bewirken würde. Nun aber hat die Europäische Union ihm diesen Titel entzogen. Ist Ihre Strategie für einen Wandel in Venezuela damit gescheitert?

Leopoldo López: Die Entscheidungsprozesse in der Europäischen Union sind komplex und müssen für die volle Anerkennung als Interimspräsident einstimmig ausfallen. Im vergangenen Jahr war das nicht möglich, weil Italien und Zypern dagegen waren, obwohl alle anderen zugestimmt hatten, auch das Europäische Parlament. Jetzt hängt es von jedem einzelnen Mitgliedstaat ab, wie er seine Beziehung zu Guaidó und der Nationalversammlung definiert. Wir erkennen ebenso wie die EU und die USA die Parlamentswahlen vom Dezember nicht an, weil sie nicht den demokratischen Mindestansprüchen genügten, sie waren manipuliert und daher gefälscht. Damit besitzt auch die neue, von Maduro unterstützte Versammlung keine Legitimität.