Als Katrin Helling-Plahr im Herbst 2017 für den Bundestag kandidierte, da riet eine Werbeagentur den Liberalen zu dem Slogan »Ungeduld ist auch eine Tugend.«

Vom damaligen Regierungsdrang der FDP ist wenig geblieben, nur auf Helling-Plahrs Website steht der Spruch noch immer. »Mit Absicht«, sagt sie. Sich hinten anzustellen ist nicht ihre Sache. Nicht, wenn ihre Söhne vor der Supermarktkasse quengeln. Und auch nicht, wenn es darum geht, ein neues Gesetz zu schreiben.

Vor einem Jahr hat das Bundesverfassungsgericht ein spektakuläres Urteil gefällt. Der Staat dürfe es seinen Bürgern nicht unmöglich machen, sich beim Suizid helfen zu lassen. Zu einem selbstbestimmten Leben gehöre auch das Recht auf einen selbstbestimmten Tod.

Allerdings fügten die Richter einen entscheidenden Hinweis hinzu: Dem Staat stehe es frei, Missbrauch zu verhindern und klare Vorgaben für die Suizidassistenz zu machen. Es war eine Aufforderung an die Politik, sich des Themas anzunehmen.

Die Erste, die dem Appell folgte, war Helling-Plahr. Am Morgen nach dem Urteil schickte sie eine Mail an ihre Kollegen im Bundestag: »Jetzt stehen wir Parlamentarierinnen und Parlamentarier in der Verantwortung.« Erste Eckpunkte für ein neues Gesetz fügte sie an.