1. Pakete schnüren, um zu öffnen

Icon: vergrößern

Angela Merkel: »Pakete«, die »geschnürt« werden müssen

Foto: Annegret Hilse / dpa

In der »Tagesschau«, bei uns in der Redaktionskonferenz, überall ist die Rede von einer möglichen dritten Welle: Kommt sie oder kommt sie nicht? Stagnieren die Corona-Fallzahlen, weil letzte Woche so viel Schnee und Eis lag, dass sich weniger Menschen in Corona-Testzentren begeben haben, oder weil die fiese britische Mutante sich breitmacht? Nun, um gleich mal die Erwartungen zu senken: Ich weiß es auch nicht, ich starre wie Sie auf SPIEGEL.de und klicke alle Meldungen an, die Aufklärung versprechen. Das alles ist so frustrierend, weil dieses Wochenende offenbar der Frühling (oder war es schon Frühsommer?) ausgebrochen ist und die Leute (Sie, ich, meine Freund:innen) nun wirklich keine Lust mehr haben, nur drinnen auf dem Sofa rumzusitzen.

Verständnis dafür hat Angela Merkel geäußert, dieses Mal nicht in einer Parlamentsdebatte oder Fernsehansprache, sondern in Onlineberatungen des CDU-Präsidiums. Die Sehnsucht der Bürger nach einer Öffnungsstrategie sei groß, sagte die Kanzlerin nach Angaben von Teilnehmer:innen, das verstehe sie.

Voraussetzung seien mehr Tests, dann könne man in drei Bereichen vorsichtig über Öffnungen sprechen, als Berufspolitikerin spricht Merkel natürlich von »Paketen«, die »geschnürt« werden müssen:

bei persönlichen Kontakten,

bei Schulen und Berufsschulen

sowie bei Sportgruppen, Restaurants und in der Kultur.

Schnüren sollen diese Pakete Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) und die Chefs der Staatskanzleien der Länder in einer neu gegründeten Arbeitsgruppe. Die Ergebnisse sollen bei der Ministerpräsidentenkonferenz nächste Woche vorgestellt werden. Hoffentlich macht uns bis dahin die dritte Welle keinen Strich durch die Rechnung.

2. Moralisches Versagen?

Dritte Welle oder nicht, Merkel wird nicht müde zu betonen, dass jeder in Deutschland bis Ende des Sommers ein…