In den Verhandlungen über einen verstärkten Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland erhöhen die Sozialdemokraten den Druck. Nach SPIEGEL-Informationen will die SPD der Union in der laufenden Woche konkrete Vorschläge machen, wie sich die Produktion von Ökostrom erhöhen und beschleunigen lässt. Die Regierungsparteien hatten vereinbart, die Ausbauziele für erneuerbare Energien bis Ende März anzuheben und die Genehmigungsverfahren für neue Ökostromanlagen zu beschleunigen. »Das ist für uns die Messlatte«, heißt es bei der SPD. »Sollte die Union nicht mitgehen, drohen die Verhandlungen zu platzen.«

Der Bundesrepublik droht eine gewaltige Ökostromlücke, die mindestens die Klimaziele, wenn nicht sogar die Energieversorgung gefährdet. Nach Berechnungen der Denkfabrik Agora Energiewende dürfte das Ziel, in Deutschland bis 2030 rund 65 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu erzeugen, um bis zu zehn Prozentpunkte verfehlt werden, wenn der Bau neuer Ökostromanlagen im aktuellen Tempo weiterläuft. Unterm Strich dürfte die Lücke sogar noch größer werden, weil der Strombedarf durch E-Autos, Wärmepumpen und die Produktion von grünem Wasserstoff stärker wächst als angenommen. Gleichzeitig soll das letzte Atomkraftwerk 2022 abgeschaltet werden, und es sollen bis 2030 zahlreiche Kohlekraftwerke vom Netz gehen.