Betrachter des berühmten Gemäldes »Der Schrei« müssen schon ganz genau hinschauen, um die mit Bleistift geschriebene Botschaft zu entziffern. »Kan kun være malet af en gal Mand!«, steht auf Norwegisch in der oberen linken Ecke des »Schrei«-Originals – das heißt übersetzt: »Kann nur von einem Verrückten gemalt worden sein!«

Wer den Satz geschrieben hat und wann, sorgte für zahlreiche Spekulationen. Handelte es sich gar um einen Akt des Vandalismus?

Munch selbst soll der Verfasser sein

Neue Untersuchungen weisen nun in eine andere Richtung. Demnach stammt die Botschaft vom Maler Edvard Munch selbst, berichten Kuratoren des Norwegischen Nationalen Museums für Kunst, Architektur und Design in Oslo. Das Gemälde von 1893 ist im Besitz des Museums.

Jeder Buchstabe, jedes Wort stimme in jeder Hinsicht mit der Handschrift Munchs überein, sagte Kuratorin Mai Britt Guleng. »Es gibt keinen Zweifel mehr.« Zunächst hatte die »New York Times« darüber berichtet.

»Bemerkenswert wenig Beachtung gefunden«

Erstmals erwähnt wurde die Kritzelei im Jahr 1904 – elf Jahre nachdem das Bild fertiggestellt worden war. Damals glaubte man, ein Besucher habe die Botschaft auf das Bild geschrieben. Doch sicher war man sich nicht. »Angesichts der Tatsache, dass es sich um ein so wichtiges Werk in der Geschichte der internationalen Kunst handelt, hat die Inschrift bemerkenswert wenig Beachtung gefunden«, sagt Guleng. Bis jetzt.

Munch selbst hatte vier Versionen von »Der Schrei« gemalt. Nur die Erste enthält die Inschrift. Das norwegische Nationalmuseum besitzt noch zwei weitere Versionen, die Vierte gehört einem privaten Sammler. Munch notierte in seinem Tagebuch, das Gemälde sei von einem »Hauch Melancholie« inspiriert worden. Inzwischen gilt das Gemälde als Sinnbild für Angst und als »Mona Lisa« der modernen Kunst.

Die meisten Besucher könnten den Schriftzug gar nicht erkennen, sagte Kuratorin Guleng. Vor allem, weil das Gemälde nur hinter Glas zu sehen ist. Erst…