In der Politik mehren sich die Stimmen, den AstraZeneca-Impfstoff für weitere Gruppen in der Bevölkerung freizugeben. »Wir sollten den AstraZeneca-Impfstoff für die ersten drei Priorisierungsgruppen freigeben«, sagte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach dem SPIEGEL. »Dann könnten sich Millionen von unter 65-Jährigen schnell impfen lassen, darunter Polizisten, Lehrerinnen und Erzieher.« Derzeit werde in vielen Impfzentren nur an fünf Tagen pro Woche für jeweils acht Stunden geimpft. »Mit der Freigabe für die ersten drei Gruppen könnten wir die Auslastung auf sieben Tage pro Woche erhöhen.«

Ähnlich hatte sich Lauterbach bereits gegenüber der »Bild am Sonntag« geäußert. Der SPD-Politiker riet allerdings davon ab, den AstraZeneca-Impfstoff einfach für alle freizugeben. »Dann könnten Partygänger früher geimpft werden als junge Ärztinnen«, sagte er. »Das müssen wir vermeiden, es ist nicht vermittelbar.«

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder äußerte sich ebenfalls besorgt über mögliche Vorbehalte gegen AstraZeneca. Vor den Gremiensitzungen der CSU sagte er: »Ich bin eindeutig dafür, dass wir auf keinen Fall Impfstoff liegen lassen.« Man müsse »klar machen, dass der Impfstoff gut ist und dass der gut verimpfbar ist nach den Empfehlungen«. Söder sprach sich dafür aus, »dass Lehrkräfte und Erzieherinnen und Erzieher dort mit eingebaut werden in die entsprechende Priorität«. Es wäre auf Dauer nicht zu vertreten, »dass massiv Impfstoff nicht verimpft wird, obwohl er da wäre und die Lage deutlich verbessern könnte«.

Auch FDP-Fraktionsgeschäftsführer Marco Buschmann sprach sich dafür aus, mit dem Impfstoff des schwedisch-britischen Unternehmens vor allem Lehrer und Kita-Personal zu immunisieren. »Wir sollten Lehrer und Erzieher schnell impfen«, sagte Buschmann dem SPIEGEL. Man wolle schließlich möglichst schnell Schulen und Kitas öffnen. »Die Möglichkeit ist insbesondere da, weil es ja zurzeit vergleichsweise viel Impfstoff…