„Ob in der Philosophie, in der Literatur, Malerei und Musik, in der Wissenschaft, der Medizin, in der Wirtschaft, Juden haben unsere Geschichte mitgeschrieben und -geprägt und unsere Kultur leuchten lassen“, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in der Kölner Synagoge. Das Judentum habe entscheidend zum Aufbruch Deutschlands in die Moderne beigetragen. Als Beispiel nannte er Moses Mendelssohn (1729-1786), den Wegbereiter der „jüdischen Aufklärung“.

Jahrhundertelange Ausgrenzung und Verfolgung

Zugleich erinnerte der Bundespräsident, der Schirmherr des Festjahres „1700 Jahres jüdisches Leben in Deutschland“ ist, an jahrhundertelange Ausgrenzung und Verfolgung und forderte einen „ehrlichen Blick“ auf die jüdische Geschichte. „Nur so können wir Lehren ziehen für die Gegenwart und für die Zukunft. Das ist und das bleibt unsere Verantwortung.“ Juden seien fast immer als Fremde und Andere gesehen worden. „Die Geschichte der Juden in Deutschland ist eine von Emanzipation und Blüte, sie ist aber auch eine von Demütigung, Ausgrenzung und Entrechtung.“

Heute sei jüdisches Leben hierzulande „vielfältig, facettenreich, lebendig, voller Schwung“. Dass dies nach der Ermordung von rund sechs Millionen europäischen Juden in der Schoah möglich sei, dafür sei er „zutiefst dankbar“, sagte Steinmeier weiter. Dieses Leben sei auch neu aufgeblüht dank der Rückkehrer, der Zuwanderer aus der früheren Sowjetunion und der jungen Israelis, die es hierhin ziehe: „Welch unermessliches Glück für unser Land!“

Josef Schuster, Frank-Walter Steinmeier und Abraham Lehrer (v.l.) in der Kölner Synagoge

Zugleich sei jüdisches Leben angesichts von offenem Antisemitismus und dem Anschlag auf die Synagoge von Halle bedroht. Im Alltag seien viele Juden mit Vorurteilen, Klischees und Unwissen konfrontiert. Es sei notwendig, ihnen entgegenzutreten, mahnte der Bundespräsident. „Die Bundesrepublik Deutschland ist nur vollkommen bei sich, wenn Juden sich hier vollkommen zu Hause fühlen.“