Die Debatte rund um die koloniale Vergangenheit und Restitution von Beutekunst ist nicht neu. Seit Jahrzehnten schon wird in den ethnologischen Museen über unrechtmäßig erworbene Gegenstände diskutiert. Innerhalb dieser Debatte tauchte allerdings die Sicht derer, die seit Beginn der Kolonialisierung durch die Spanier und Portugiesen im 16. Jahrhundert Widerstand geleistet haben, bislang zu wenig auf. Das Rautenstrauch-Joest (RJM) in Köln will dies nun mit seiner neuen Ausstellung ändern. In „Resist! Die Kunst des Widerstands“ erhalten diesmal die Kolonialisierten, jene, die unter Unterdrückung litten oder leiden, eine Stimme. „Es geht um einen Perspektivwechsel“, erläutert Museumsdirektorin Nanette Snoep das Konzept, „darum, die Nachfahren und Betroffenen sprechen zu lassen und ungehörte Geschichten zu erzählen. Und schließlich um die Frage: Was bedeutet Widerstand heute?“

Was für ein Schattentheater! Die Scherenschnitt-Videos der US-amerikanischen Künstlerin Kara Walker kommen wie pittoreske Landschaften daher. Bei näherem Hinsehen allerdings, offenbaren sie sich als eine Auseinandersetzung mit Sklaverei, Plantagenwirtschaft und Rassismus in Nordamerika.

Blickwechsel auf die Kolonialisierung

Eine Antwort darauf versuchen die vierzig internationalen Künstler und Künstlerinnen aus über dreißig Ländern zu geben. Sie wurden eingeladen, ihre Sicht der Dinge zu präsentieren. Die meisten von ihnen kommen aus dem globalen Süden oder der Diaspora und haben politische Ansätze. Darunter auffallend viele Frauen, was nicht verwundert, wenn man allein an die namibischen Aktivistinnen rund um Esther Utjiua Muinjangue denkt. Die Aktivistin ist die Vorsitzende der Ovaherero Genocide Foundation, einer Stiftung, die seit Jahren vom deutschen Staat eine Entschädigung für das Unrecht fordert, das die ehemalige Kolonialmacht den Herero und Nama in „Deutsch-Südwestafrika“ angetan hat. Die indigenen Aufstände zwischen 1904 und 1908 wurden brachial niedergeschlagen und…