Mit der israelischen Arbeiterpartei ist es ein bisschen so wie mit der SPD. Die »Awoda« ist ein in die Jahre gekommener Riese, der Wahlniederlagen mittlerweile mit einer gewissen Routine wegsteckt.

Eine, die sich damit nie abgefunden hat, ist Merav Michaeli. Auf Twitter, Instagram und Facebook ist sie bereits seit Jahren ein israelischer Star. Nun ist sie neue Parteichefin der »Awoda«.

Die israelischen Genossen haben Michaeli mit 77 Prozent der Stimmen in das Amt gewählt. »Ich rufe allen, die meinen, die Politik repräsentiere sie nicht und ihre Stimmen werden nicht gehört, zu: kommt heim«, sagte Michaeli nach ihrer Wahl öffentlich.

Unter ihr war die Linke in Israel noch stark: Golda Meir – die erste und bislang einzige Premierministerin des Landes

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Das Erbe, das sie antritt, ist gewaltig: Staatsgründer David Ben-Gurion, Friedensnobelpreisträger Schimon Peres und die kettenrauchende Premierministerin Golda Meir – sie alle haben die Partei schon geführt.

Das Problem: Die goldene Ära der linken Gründerväter und -mütter ist lange vorbei. Die Pioniere, die einmal die Zukunft waren, sind tot. Ihre sozialistischen Ideen sind es auch. Seit 2009 regiert mit Benjamin Netanyahu ununterbrochen ein rechter Premier das Land, in dem es mittlerweile mehr Start-ups als Kibbuzim gibt. Die Folge: Die Parteibasis ist auf 37.000 Mitglieder geschrumpft, wird immer wütender und an der Spitze herrscht ein Kommen und Gehen wie auf einem Bahnsteig.

»Willkommen im schlimmsten Job der israelischen Politik«

»Sie ist die zehnte Parteichefin in 20 Jahren, diejenigen nicht mitgerechnet, die den Posten zweimal innehatten«, kommentierte die linke Tageszeitung »Haaretz« den Wahlsieg von Merav Michaeli. »Willkommen im schlimmsten Job der israelischen Politik.«

Bei den letzten drei Wahlen ist die »Awoda« immer weiter abgestürzt, von sechs auf fünf auf drei Prozent der Stimmen. In den jüngsten Umfragen kommen die Genossen immerhin wieder auf…