An vielen Orten in Deutschland glichen sich am Wochenende die Bilder. Nach den Tagen mit Eis und Kälte herrschten oft fast frühlingshafte Temperaturen. Ob in Berlin, München, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Hamburg, Stuttgart, Leipzig oder Dresden, vor allem in Großstädten und Ballungsräumen drängte es Menschen in die Parks oder ans Wasser. Oftmals saßen sie dicht gedrängt.

Von einer weiterhin anhaltenden pandemischen Lage mit Abstandsregeln war zumindest an solchen Orten mitunter wenig zu sehen. Zu diesen Bildern kommt die Tatsache, dass die Inzidenzwerte – also die Zahl der Corona-Neuinfektionen innerhalb einer Sieben-Tage-Woche gemessen auf 100.000 Einwohner – derzeit in manchen Regionen Deutschlands kaum noch fallen und mancherorts sogar wieder ansteigen.

Es stellt sich die Frage, ob die von Bund und Ländern kürzlich beschlossene Einigung, Lockerungen – zunächst für den Einzelhandel, Museen und Betriebe mit körpernahen Dienstleistungen – erst ab einem stabilen Inzidenzwert unter 35 zu ermöglichen, so noch zu halten ist.

Die Zahl 35 ist umstritten, zuvor war in der Diskussion immer wieder ein Unterschreiten der Inzidenz 50 als Ziel genannt worden – allerdings, bevor die aggressiveren Corona-Mutanten sich auch auf dem europäischen Festland beschleunigt ausbreiteten. In diese Debatte, inwieweit ein Erreichen des Inzidenzwertes von unter 35 möglich ist, könnte möglicherweise wieder Fahrt kommen. In der Großen Koalition hat sie bereits begonnen. So erklärte der rechtspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Fechner, jüngst dem SPIEGEL, fast alle EU-Staaten hätten weitere Kriterien. »Die brauchen wir auch. Außerdem muss viel klarer sein, was wann eingeschränkt werden darf.«

Die SPD-Rechtspolitiker wollen demnach das Infektionsschutzgesetz in der kommenden Fassung so ändern, dass auch die Zahl freier Intensivbetten berücksichtigt wird sowie die Fähigkeit der Gesundheitsämter, Infektionsketten nachzuweisen. Ob sie damit…