Wenn Christian Lindner früher eine Bühne betrat, dann machte sich zwar der FDP-Chef locker, bei vielen Parteifreunden hingegen stieg die Anspannung. Denn der 42-Jährige liebt die freie Rede, der Stichwortzettel in der Sakkotasche gibt ihm oft nur die Themen vor, schützt ihn jedoch nicht vor seinen Pointen.

Das ging mitunter nach hinten los.

Beim Parteitag im vergangenen Jahr irritierte Lindner, indem er sich von der scheidenden Generalsekretärin Linda Teuteberg mit einem sexistischen Kalauer verabschiedete (»Nicht, was Ihr jetzt denkt«). Lindner sah sich kurz darauf zu einer Entschuldigung genötigt.

In letzter Zeit sind virale Shitstorms gegen den FDP-Chef allerdings ausgeblieben, denn Lindner liefert keine verunglückten Pointen mehr. Immer öfter tritt er nun mit ausgeschriebenen Manuskripten ans Rednerpult im Bundestag.

In den komplexen Corona-Zeiten, hat er selbstkritisch festgestellt, verschafft ihm das Sicherheit.

Und die, so scheint es, zahlt sich auch aus. In den Umfragen stieg die FDP, die zeitweise um die fünf Prozent dümpelte, in jüngster Zeit auf Werte von sieben bis neun Prozent und nähert sich damit so langsam an das letzte Bundestagswahlergebnis von 10,7 Prozent an.