SPIEGEL: Herr Vogel, soll der Bundesverfassungsschutz seine Beobachtung von einzelnen Landesverbänden auf die ganze AfD ausdehnen?

Vogel: Ich glaube nicht, dass es der richtige Weg wäre, die AfD als gesamte Partei unter Beobachtung zu stellen. Wenn es zu einem Prozess vor dem Bundesverfassungsgericht kommen sollte, dann wird dieser weniger die Radikalität prüfen als die Frage, ob die AfD eine Gefahr für die freiheitliche Ordnung der Bundesrepublik Deutschland darstellt. Ich glaube, dass das zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht der Fall ist. Ein Erfolg der AfD in Karlsruhe wäre eine unnötige Werbung für die Partei.

SPIEGEL: Würde eine Beobachtung nicht zunächst Wähler abschrecken?

Vogel: Durchaus möglich. Andererseits könnte sich eine Bunkermentalität bei den Wählern einstellen, was vor der Bundestagswahl fatal wäre. Meines Erachtens muss man zwischen der AfD und ihren Wählern sehr kritisch unterscheiden. Die AfD ist ohne Frage eine rechtsradikale, nationalistische Partei, aber ihre Wähler sind nicht alle kleine Nazis, sondern zum größeren Teil Wähler, die aus Verdrossenheit, Zukunftsangst oder anderen Argumenten für die AfD votieren.