Es ist kalt bei Andrea Nahles. In dem alten Bauernhof, den schon ihre Urgroßeltern bewohnten, hat in der Nacht zuvor die Heizung den Dienst quittiert – mitten im Wintereinbruch vergangene Woche. »Wann fällt die Heizung aus? Natürlich bei minus 13 Grad«, berichtet Nahles und lacht. »Sie sehen, ich habe einen ziemlich dicken Pullover an.«

Hier sitzt sie also, die einst zweitmächtigste Frau Deutschlands: in dicke Wolle gehüllt in einem 500-Einwohner-Eifeldorf namens Weiler, in ihrem Arbeitszimmer im Dachgeschoss, hinter ihr eine Bruchsteinwand, vor ihr die Kamera fürs Webmeeting. Was für ein Szenenwechsel.

Noch vor zwei Jahren war Nahles die erste Frau an der Spitze der SPD und Chefin der Bundestagsfraktion. Dann kam die Europawahl, die SPD stürzte von 27 auf unter 16 Prozent ab. Kurz darauf, im Juni 2019, schmiss Nahles alle Ämter hin und verschwand nahezu komplett von der Bildfläche.

Sie wurde Präsidentin der Bundesanstalt für Post und Telekommunikation in Bonn, die über Pensionen und Dienstfähigkeit von Telekom- und Postbeamten entscheidet. Es ist die vielleicht langweiligste Behörde der Republik.