Wer den Internetauftritt des Modeanbieters »Shein« anklickt, dürfte sich an die Seiten anderer Unternehmen wie H&M, Zara oder Mango erinnert fühlen. Doch anders als die bekannten Fashion-Größen kommt Shein nicht aus Europa – sondern aus China.

2008 wurde der Online-Modehändler, dessen Name sich aus den Wörtern »she« und »in« zusammensetzt, gegründet. Und expandiert seitdem in Deutschland und anderen europäischen Ländern, den USA, Australien und dem Nahen Osten. Mit Erfolg: Machte das Unternehmen 2015 noch rund 150 Millionen Dollar Umsatz, setzte es 2020 bereits mehr als acht Milliarden Dollar um.

In Deutschland nahm Shein 2019 laut EHI Retail Institute rund 170 Millionen Euro ein – im Corona-Jahr 2020 aber dürfte die Zahl um ein Vielfaches höher liegen. Denn allein im letzten Jahr vervierfachte das Unternehmen in Privatbesitz Shein seine weltweiten Umsätze, wie das Nachrichtenportal Nikkei Asia unter Berufung auf chinesische Nachrichtenagenturen berichtet.

Corona beschleunigt die Ausbreitung chinesischer Marken

Der Fast-Fashion-Händler ist nur ein Beispiel für den Siegeszug chinesischer Marken im Westen. »In fast allen Konsumgütersektoren erobern chinesische Hersteller die westliche Welt«, sagt Martin Schulte, Konsumgüterexperte bei der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Bisher seien es vor allem Elektronikfirmen gewesen, so auch der Smartphonehersteller Xiaomi, nun stießen chinesische Hersteller »auch in klassisch westliche Sektoren wie die Textilindustrie vor«.

Xiaomi und Shein zeigen: Chinesische Firmen übernehmen nicht nur westliche Unternehmen, sondern expandieren und handeln vermehrt selbst in Europa und den USA. Produzierten chinesische Texilfabriken bislang vor allem für europäische Billigmarken wie Primark, C&A oder H&M, so sind nun zunehmend chinesische Brands die Abnehmer, die die Ware selbst in westlichen Märkten verkaufen. Und Xiaomi, mit seinen Mi-Handys in Deutschland erst seit August 2019 auf dem Markt, ist schon zum…