Sie strahlt. Sie lacht. Loujain al-Hathloul steht nahe der Hauptstadt Riad in der Wüste im Schatten eines Baumes. Sie trägt eine helle Leinenhose, rote Bluse und genießt ein Picknick in der Sonne, den Blick fröhlich in die Weite gerichtet.

Die schwierigen Bedingungen ihrer fast dreijährigen Haft sind der 31-jährigen Frauenrechtlerin auf den ersten Blick nicht anzusehen. »Es geht ihr gut«, sagt ihre Schwester Lina al-Hathloul dem SPIEGEL am Telefon. »Nach zwei Hungerstreiks ist Loujain körperlich etwas geschwächt, aber sie fühlt sich immer noch stark und widerstandsfähig.«

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Loujain Al-Hathloul nach ihrer Entlassung nahe Riad: »Über ihr hängt ein Damoklesschwert.«

Foto: Lina Alhathloul

Hathloul selbst darf nicht mit den Medien sprechen. Es ist eine von vielen Auflagen, unter denen sie vergangene Woche das Gefängnis vor Beendigung ihrer offiziellen Haftstrafe verlassen durfte.

Verhör an einem geheimen Ort

1001 Tage und Nächte verbrachte die 31-jährige hinter Gittern. Einige Monate davon wurde sie zusammen mit anderen Aktivistinnen an einem geheimen Ort gehalten, außerhalb des offiziellen Strafvollzugs. Familienangehörige und ehemalige Gefangene bezeichnen ihn lediglich als das »Hotel«. Dort seien die Frauen gefoltert und sexuell belästigt worden.

Loujain richte sich gerade ein Zimmer im Haus der Eltern ein, berichtet Lina al-Hathloul. Sie esse gut und ernähre sich gesund, um wieder zu Kräften zu kommen, besonders gerne Silik, eine energiereiche arabische Spezialität, und italienische Ravioli. Am meisten genieße es Loujain aber, endlich die Tür ihres Zimmers wieder selbst öffnen und schließen zu dürfen. Sie hoffe, bald wieder stark genug zu sein, um wie früher Reiten und Tennis spielen zu können, vor allem aber wolle sie das jüngste Urteil anfechten, das gegen sie verhängt wurde, und in dem sie als »Terroristin« bezeichnet werde: »Sie wird alle verfügbaren Rechtsmittel ausschöpfen.«

Ein…