In Deutschland mehren sich Hinweise auf eine mögliche neue Verschärfung der Corona-Pandemie. Nachdem die sogenannte Reproduktionszahl des Erregers über Wochen hinweg unter eins lag, hat sie nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) diese wichtige Schwelle jetzt erstmals wieder überschritten.

Viele Hoffnungen ruhen auf der Immunisierung – hier ein Impfzentrum im Berliner Velodrom (Archivbild)

Das RKI gab den bundesweiten Sieben-Tage-R-Wert mit 1,01 an. Das bedeutet, dass 100 Infizierte rechnerisch 101 weitere Menschen anstecken. Dies könnte darauf hindeuten, dass sich die ansteckenderen Virusvarianten trotz des Lockdowns rascher ausbreiten. RKI-Präsident Lothar Wieler hatte am Freitag erklärt, der Anteil der Virusvariante B.1.1.7., die nach konservativen Schätzungen um 35 Prozent ansteckender ist, steige in Deutschland rasant an.

9164 Neuinfektionen

„Wir stehen möglicherweise erneut an einem Wendepunkt. Der rückläufige Trend der letzten Wochen setzt sich offenbar nicht mehr fort“, sagte Wieler. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert, der angibt, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in diesem Zeitraum infizieren, stieg auf 57,8. Am Freitag betrug er noch 56,8. Die Gesundheitsämter meldeten 9164 Neuinfektionen und 490 Todesfälle innerhalb von 24 Stunden.

„Womöglich ein Wendepunkt“: RKI-Chef Lothar Wieler (Archivbild)

Bei den Neuansteckungen und der Sieben-Tage-Inzidenz hatten sich in den vergangenen Tagen kaum Veränderungen gezeigt – trotz des anhaltend strengen Lockdowns. Der Anstieg des R-Werts lässt nun aufhorchen. Liegt er für längere Zeit unter 1, flaut das Infektionsgeschehen ab. Liegt er über 1, gewinnt es an Dynamik. Noch am Mittwoch hatte das RKI den R-Wert mit 0,85 angegeben.

„Nicht nach ein paar Wochen wieder alles schließen“

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil warnte angesichts der Gefahren durch die Virusvarianten vor einer vorschnellen Rücknahme der Corona-Maßnahmen. Bund und Länder müssten gemeinsam ein vernünftiges Öffnungskonzept…