Einmal in der Woche verteilt die marokkanische Studentin Chaimae Irfaq im Foyer ihres Pariser Wohnheims kostenlose Lebensmittelpakete. Die Bedürftigen: dutzende Studentinnen und Studenten. Ein Paket der Initiative ›Restos du Coeur‹, der ›Restaurants des Herzens‹, nimmt Chaimae später mit nach Hause – für sich selbst.

Chaimae Irfaq, Studierende aus Marokko
»Wenn ich einen Job hätte, bräuchte ich die ›Restos du Coeur‹ nicht. Ich würde einfach weiter ehrenamtlich mitarbeiten, denn es gibt viele Menschen, die noch bedürftiger sind als ich. Aber im Moment sind wir, die Studenten, in einer Situation, in der wir die Hilfe der ›Restos‹ und anderer NGOs wirklich brauchen.«

Wegen der Coronakrise gibt es nur noch wenige Jobs für Studierende. Wohltätigkeitsorganisationen in Paris melden, die Zahl der hilfesuchenden Studentinnen und Studenten sei zuletzt sprunghaft angestiegen.

Chaimae Irfaq, Studierende aus Marokko
»Um ehrlich zu sein, warte ich die ganze Woche nur auf Dienstag, dann kann ich herkommen. Das ist etwas Abwechslung.«

Chaimae kam im Oktober nach Frankreich, um ihr BWL-Studium abzuschließen. Eigentlich wollte die 24-Jährige einen Teilzeitjob annehmen, um das teure Leben in Paris finanzieren zu können. Doch die Stadt hat der Studentin derzeit nicht viel zu bieten.

Chaimae Irfaq, Studierende aus Marokko
»Es ist schwierig, den ganzen Tag hier zu sitzen und dem Unterricht auf einem Bildschirm zu folgen, ohne sich zu bewegen. Dann, nach 18 Uhr, gibt es nichts mehr. Es gibt eine Ausgangssperre und wir können draußen nichts machen.«

So wie Chaimae geht es vielen: drei von vier französischen Studenten fühlen sich teilweise oder die ganze Zeit über allein. Das ergab eine Umfrage im Januar.

Chaimae Irfaq, Studierende aus Marokko
»Ich habe mir das Studieren anders vorgestellt: offener und sozialer. Stattdessen hocke ich in diesem 20 Quadratmeter großen Zimmer, alleine mit meinem Computer, weit weg von meiner Familie und meinen Freunden. Manchmal bereue ich es,…