Es ist eines der liebsten Argumente liberaler und konservativer Politiker für Steuersenkungen: Man müsse »Wachstumsanreize« setzen, Wirtschaft und Bürger würden mit mehr Rückenwind mehr Konsum und mehr Wachstum schaffen. Doch was theoretisch einleuchtend klingt, ist bislang in der Praxis empirisch nur mangelhaft belegt, weil es an guten Daten fehlt.

Wie stark sich mit Steuersenkungen die Konjunktur anschieben lässt, hängt vor allem davon ab, was die Bürger mit dem Geld machen: Hauen sie es eher auf den Kopf – oder erhöhen Steuerentlastungen doch eher die Ersparnis?

Eine Untersuchung des Frankfurter Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung SAFE zeigt nun: Im Falle des abgeschafften Solidaritätszuschlags will ein Großteil der Bürger das Geld vor allen Dingen nutzen, um es auf die hohe Kante zu legen. Die Auswertung liegt dem SPIEGEL vor.

Bleibt es nur beim guten Vorsatz?

Die Streichung der Abgabe für 90 Prozent der Steuerzahler zu Jahresbeginn dürfte demnach eher keinen Konsumschub auslösen, weil der Betrag in den meisten Fällen auf der hohen Kante landet. Lediglich 40 Prozent der Bürger wollen die zusätzlichen Mittel größtenteils umgehend ausgeben, etwa für Lebenshaltungskosten oder Reisen.

Fast die Hälfte der Steuerpflichtigen will das zusätzliche Geld dagegen größtenteils nutzen, um Ersparnisse aufzubauen. Weitere zehn Prozent planen laut der Studie, mit dem Zusatzeinkommen zunächst bestehende Schulden zu tilgen.

Bemerkenswert: Für die Bürger zählt offenbar nicht nur, wie hoch der Betrag eines Steuernachlasses genau ausfällt. Auch der Zeitpunkt der Fälligkeit spielt der Forscher um Andreas Hackethal eine große Rolle. Würde sich die Soli-Ersparnis nicht wie derzeit üblich jeden Monat einstellen, sondern erst am Jahresende als »Steuerbonus« in Form einer Einmalzahlung, würde der Anteil der Sparer demnach sogar noch weiter ansteigen.

Hintergrund ist das psychologische Phänomen der »mentalen Buchführung«. »Monatlich anfallende…