»Fischmarkt« stand auf dem Transparent, das Protestierende am Mittwoch vor der chinesischen Botschaft in Yangon aufhängten. Darin steckte clevere Ironie und gleichzeitig ein bitterer Vorwurf: Wie sich die Pandemie vom Huanan-Fischmarkt in Wuhan über China ausgebreitet hat – so lässt sich die Anschuldigung lesen –, so sei die chinesische Vertretung in Myanmar eine Keimzelle der Militärherrschaft.

In den Tagen zuvor waren Flugzeuge aus dem chinesischen Kunming in Yangon gelandet, obwohl der myanmarische Luftraum eigentlich gesperrt war. Das lässt sich auf Websites nachvollziehen, die Flugbewegungen aufzeichnen. China erklärte, es habe sich um reguläre Transportflüge gehandelt, die etwa Fisch und Meeresfrüchte an Bord geführt hätten.

In der Protestbewegung kursiert eine andere Theorie: Ihr zufolge seien in den Flugzeugen chinesische Techniker ins Land gebracht worden, um dem Militär beim Aufbau einer »Great Firewall« nach chinesischem Vorbild zu helfen und Myanmar vom freien Internet abzuschneiden.

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Protest vor der chinesischen Botschaft in Yangon: Was wurde in den Flugzeugen aus China nach Myanmar gebracht?

Foto: via www.imago-images.de / imago images/Kyodo News

Fast drei Wochen nach dem Putsch in dem südostasiatischen Land richtet sich der Argwohn der Bevölkerung zunehmend gegen den großen Nachbarn im Norden. In der undurchsichtigen Informationslage werden Gerüchte lauter, Peking habe seine Hand im Spiel und unterstütze die Putschisten um den Armeechef Min Aung Hlaing. Protestplakate zeigen ihn als Marionette von Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping, online rufen Aktivisten zum Boykott chinesischer Produkte auf, gar zu Anschlägen auf eine chinesische Gaspipeline.

»Ich vertraue China überhaupt nicht«

»Ich vertraue China überhaupt nicht«, sagt der junge Parlamentsabgeordnete Sithu Maung, der am 1. Februar sein Mandat angetreten hätte, wäre der Putsch nicht dazwischengekommen. »China ist nie ein guter…