Es sollte wie eine große Geste wirken, wie ein Zeichen innerparteilicher Solidarität: Holger Stahlknecht, Ex-Innenminister und einstiger CDU-Landeschef in Sachsen-Anhalt, verkündete im Januar, er verzichte freiwillig auf seinen aussichtsreichen Listenplatz 2 für die Landtagswahl am 6. Juni. Stattdessen solle eine Frau an seiner Stelle kandidieren.

Eileen Koch meldete Interesse an. Sie stammt aus der Börde, Stahlknechts Heimat. Doch auf der CDU-Liste wird sie nun nicht antreten. Der in der Regierungskrise um den Rundfunkstaatsvertrag ausgebuhlte Stahlknecht habe sich nicht von heute auf morgen in einen Frauenförderer verwandelt, heißt es.

Stattdessen wolle er vor allem Unruhe in der Partei stiften. Koch sei keine Direktkandidatin, abgesprochen sei ohnehin nichts gewesen. Deshalb wurde der Vorschlag im Landesvorstand schnell wieder abgeräumt.

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Holger Stahlknecht (Archivfoto): Nicht plötzlich zum Frauenförderer geworden

Foto: Ronny Hartmann/ DPA

Koch ist nicht die einzige Frau, die in den Vorgesprächen der CDU Sachsen-Anhalt zur Listenaufstellung das Nachsehen hatte. Wenn die Christdemokraten an diesem Samstag in Dessau ihre Liste für die Landtagswahl zusammenstellen, ist das in mehrerlei Hinsicht richtungsweisend. Es geht darum, ob endlich mehr Frauen im sachsen-anhaltischen Landtag sitzen werden. Und ob sich erneut die Rechtsaußen in der CDU behaupten können.

Frauenunion stellte Alternativliste auf

Mit gerade knapp 22 Prozent ist der Frauenanteil im Parlament in Magdeburg der niedrigste in allen 16 Landesparlamenten. Das liegt nicht nur an der männerdominierten und in Sachsen-Anhalt stark vertretenen AfD, sondern auch an der CDU. In der aktuellen Fraktion der Christdemokraten stehen gerade einmal zwei Frauen 28 Männern gegenüber.

Christdemokratinnen begehren dagegen auf. Die Frauenunion stellte sogar eine eigene Landesliste vor, die sie in den Medien verbreitete. Durchsetzen konnten sie sich in den Gremien der…