SPIEGEL: Frau Schulze, die Deutschen halten sich für Recyclingweltmeister – tatsächlich werden in den Niederlanden etwa 30 Prozent wiederverwertet, fast dreimal mehr als bei uns. Warum stehen wir so schlecht da? Bauschutt etwa landet hierzulande oft in der Grube.

Schulze: Das sind riesige Abfallströme, 250 Millionen Tonnen, 60 Prozent unseres gesamten Mülls. Deshalb habe ich ja mit der Mantelverordnung zum Bauschutt eine Regelung bis durch den Bundesrat gebracht. Ich weiß, das klingt nicht gerade sexy.

SPIEGEL: Der Name ist nicht das Problem, es geht bloß nicht voran.

Schulze: CSU-Innenminister Horst Seehofer hält für Bayern im Moment alles auf, das ist richtig. Aber die anderen 15 Bundesländer wollen kooperieren. Ich werde jetzt unter Absingen schmutziger Lieder eine Sonderregelung für die Bayern vorschlagen, damit es für alle anderen vorangeht.

SPIEGEL: Bayern kann also weiter seinen Bauschutt in Kiesgruben füllen?

Schulze: Irgendwie müssen wir den Konflikt ja lösen. Aber ich hoffe, dass es auch Druck aus der Industrie geben wird. Wenn 15 Länder einheitliche Regeln haben, nur eines nicht, dann wird das Bauschuttrecycling in Bayern sicher teurer werden. Wir werden sehen, wie lange die sich einen Sonderweg leisten können.