In der libanesischen Hauptstadt haben Angehörige von Opfern der Explosionskatastrophe im Hafen von Beirut gegen die Absetzung des bisherigen Ermittlungsrichters protestiert. Dutzende Menschen versammelten sich den zweiten Tag in Folge vor dem Justizministerium in Beirut. Sie hielten Bilder der im August Getöteten in den Händen und entzündeten symbolträchtig Feuer in Erinnerung an die vielen Opfer des Großbrandes.

Beschuldigte üben Druck aus

Ein libanesisches Kassationsgericht hatte am Donnerstag dem Ermittlungsrichter Fadi Sawan den Fall entzogen. Das Gericht begründete dies mit „berechtigtem Misstrauen“ gegenüber Sawans Neutralität, auch weil sein Haus bei der Explosionsserie, die große Teile der Hauptstadt verwüstete, beschädigt wurde.

Sawan hatte Libanons geschäftsführenden Regierungschef Hassan Diab und drei frühere Minister als Beschuldigte angeklagt. Er wirft ihnen Fahrlässigkeit und Mitschuld an dem Explosionsgeschehen vor. Zwei der Ex-Minister beantragten daraufhin, den Fall einem anderen Ermittlungsrichter zu übertragen. Sie und Diab weigern sich schon seit Monaten, mit den Ermittlern zu kooperieren.

Die Angehörigen fühlen sich in ihrem Schmerz allein gelassen

Für das Verfahren ist die Absetzung Sawans ein herber Rückschlag. Ein neuer Ermittlungsrichter muss die Untersuchungen jetzt von vorne beginnen. „Wir wollen Gerechtigkeit, wir haben kein Vertrauen in unsere Regierung“, sagte Ibtisam Alaa Al-Din, die bei der Detonation ihren 26 Jahre alten Sohn verlor. Für sie ist klar, Sawan wurde der Fall entzogen, weil er kurz zuvor erklärt hatte, er werde etwas aufdecken. Angehörige der Opfer beklagen seit langem, dass die Ermittlungen auf der Stelle treten und die Hintergründe der Explosion vertuscht werden sollen.

Die brennenden Großsilos im Beiruter Hafen am 4. August

Mohanad Hage Ali vom renommierten Carnegie Middle East Center sagte, „niemand in der politischen Klasse will eine Untersuchung wie diese“. Auch der libanesische Journalist…