„Die 54 afrikanischen Länder dürfen nicht pauschal als Risikogebiet eingestuft werden“, forderte Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (Artikelbild). In Entwicklungsländern sei der Tourismus eine Schlüsselbranche mit vielen Arbeitsplätzen. Außerdem trage er stark dazu bei, Artenschutz und Naturschutz zu finanzieren. „Wer sagt, dass Reisen nach Afrika grundsätzlich nicht möglich sind, gefährdet Natur- und Tierschutz und den Weg aus der dramatischen Wirtschaftskrise“, warnte Müller.

Man müsse das Corona-Risiko in Afrika genauso differenziert betrachten wie in Europa, betonte der christsoziale Politiker. „Natürlich müssen wir sicherstellen, dass von Rückkehrern keine Ansteckungsgefahr ausgeht. Grundsätzlich gibt es aber Länder, die unter Einhaltung der Schutzstandards bereist werden können“, sagte Müller den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Leerer Strand in Ägypten

Einige Länder in Afrika hätten zum Beispiel viel niedrigere Inzidenzwerte „als wir in Europa“. Hierzulande gebe es zwar größere Testkapazitäten als in weiten Teilen der Welt. „Trotzdem muss es um Einzelfallbewertungen gehen, nicht um Pauschalurteile.“

Dramatische Folgen

Die Auswirkungen des Lockdowns hätten viele Menschen in Afrika verheerend getroffen, erläuterte Müller. „Die Logistik ist zusammengebrochen, Nahrungs- und Medikamentenketten sind abgerissen.“ 300 Millionen Menschen hätten ihren Arbeitsplatz verloren. Es fehle an Arzneimitteln gegen Malaria, Tuberkulose und Aids. Die Kranken könnten nicht mehr versorgt werden. „Die Entwicklung zeigt, dass auf dem afrikanischen Kontinent zwei Millionen Menschen an den Folgen des Lockdowns sterben werden“, so Müller.

Die führenden Industrienationen rief Müller erneut auf, Corona-Impfungen in armen Ländern stärker zu unterstützen. „Das Ziel muss sein, bis Jahresende mindestens 20 Prozent der Bevölkerung in Entwicklungsländern gegen das Coronavirus zu impfen.“ Dafür fehlten derzeit insgesamt 27 Milliarden Euro. Das sei nicht…