Das Defizit der gesetzlichen Krankenkassen hat sich laut einem Zeitungsbericht im Corona-Jahr deutlich erhöht. Wie die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« („FAZ“) in ihrer Freitagsausgabe unter Berufung auf Angaben der Kassenverbände berichtet, wuchs das Gesamtdefizit der Kassen um etwa eine Milliarde Euro auf 2,5 Milliarden Euro, also um rund zwei Drittel.

Damit war die Finanzlage der Krankenkassen der Zeitung zufolge so schlecht wie seit mehr als anderthalb Jahrzehnten nicht mehr. Im Jahr 2003 war ihr Defizit mit 3,4 Milliarden Euro noch höher gewesen. Seither hatte die gesetzliche Krankenversicherung in zwölf von 16 Jahren Überschüsse erzielt.

Die Kosten der Corona-Pandemie waren laut »FAZ« nur einer der Gründe für den starken Anstieg des Defizits im vergangenen Jahr. Ein weiterer Grund war demnach, dass ganz unabhängig von der Pandemie viele von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angeschobene Reformen die Ausgaben im Gesundheitswesen stärker in die Höhe getrieben hätten als die Einnahmen.

Vor allem die Ersatzkassen verzeichnen Defizit

Unter allen Versicherungsarten schrieben nach Angaben der Zeitung die Ersatzkassen 2020 das schlechteste Ergebnis mit einem Minus von 1,1 Milliarden Euro. Nur geringfügig besser sah es demnach bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK) aus. Deren Unterdeckung habe rund eine Milliarde Euro betragen.

Anfang Januar hatte sich bereits der Chef der Techniker Krankenkasse zur finanziellen Lage der Branche geäußert. Jens Baas prognostizierte damals einen deutlichen Anstieg der Kassenbeitragssätze für 2022. Gründe für die Ausgabensteigerungen sind laut dem TK-Chef erwartete Mindereinnahmen bei den Beiträgen durch die wirtschaftliche Lage vieler Menschen, gleichzeitig trieben teurere Behandlungen und Therapien die Ausgaben weiter nach oben. Alle Reserven bei den Krankenkassen seien Ende 2021 jedoch aufgrund politischer Eingriffe aufgebraucht.

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