Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Bill Gates ist late to the Party. Aber immerhin hat sein später Beitritt zum Klub der Klimabewegten für Aufsehen gesorgt. Das ist viel wert, denn um Aufsehen für das Thema geht es ja schließlich. Der Multimilliardär hat ein Buch geschrieben, das diese Woche zeitgleich in mehreren Sprachen erschienen ist. Titel: »Wie wir die Klimakatastrophe verhindern«. Flankierend hat er mit diversen internationalen Medien gesprochen und Einblick in seine Ideen zur Rettung des Planeten gegeben.

Man darf sagen, dass die große Aufmerksamkeit sicher mehr mit dem Autor als mit dem Werk zu tun hat: Gates, der über Jahre reichste Mann der Welt, entdeckt jetzt die größte Krise der Welt und präsentiert Lösungen – öffentliches Interesse garantiert.

Die inhaltliche Analyse des einstigen Microsoft-Chefs ist allerdings in vielen Punkten zutreffend:

Es reiche nicht, die Klimaemissionen bis zur Mitte des Jahrhunderts möglichst weit zu senken, sagt Gates, nötig sei, netto gar keine Treibhausgase mehr auszustoßen. Er vergleicht das Klima mit einer Badewanne, die auch dann irgendwann überlaufe, wenn der Hahn nur noch ein bisschen tröpfelt.

Beim Klimaschutz nimmt die Energiewende des Stromsektors große Aufmerksamkeit in Anspruch, während verhältnismäßig wenig über die Emissionen der Landwirtschaft, der Stahl- und Zementindustrie gesprochen werde, die aber für einen großen Teil der weltweiten Klimagase verantwortlich sei.

Verantwortungsbewusster Konsum und Verzicht Einzelner sei zwar löblich, stelle aber keine Lösung für die Klimakrise insgesamt dar.

Viel lieber aber möchte Gates mit Lösungen durchdringen, denn mit Problemstellungen. Dass er dafür, vorsichtig formuliert, vielleicht nicht der beste Botschafter ist, gibt er zu. Er sei jemand, der große Häuser besitze und in Privatjets fliege, schreibt er im »Guardian«. »Es fehlt der Welt nicht wirklich an reichen Menschen mit großen Ideen, die anderen sagen, was sie zu tun haben.« Wohl wahr – Gates…