SPIEGEL: Frau Suding, nach dem SPIEGEL-Titel über Hass auf Frauen haben Sie auf Instagram geschrieben, das Thema werde nicht ernst genug genommen. Inwiefern?

Suding: Es fehlt noch an Bewusstsein, dass Frauenfeindlichkeit oft bei rechtsextremen Tätern oder Gruppen zu finden ist. Die vernetzen sich digital, der Weg zu Gewalttaten in der analogen Welt ist dann manchmal nicht mehr weit. Daher muss der Rechtsstaat auch konsequent im Netz durchgesetzt werden. Gerichte und Staatsanwaltschaften müssen dafür ausreichend Personal bekommen. Außerdem brauchen wir eine bessere Zusammenarbeit und klare Zuständigkeiten der Sicherheitsbehörden in Bund und Ländern.

SPIEGEL: Warum ist die FDP trotzdem gegen die Einführung einer neuen Ermittlungskategorie oder die Erweiterung des Strafgesetzbuchs um geschlechterspezifische Taten?

Suding: Ich sehe das nicht schwarz-weiß. Aber die Erweiterung der Straftatbestände oder eine andere Kriminalstatistik allein werden nicht ausreichen. Außerdem werden frauenfeindliche Motive unter dem Merkmal »menschenverachtend« bereits heute erfasst und bei Strafen berücksichtigt. Entscheidend ist, dass Straftaten angezeigt werden, also die Dunkelziffer sinkt. Und diese Straftaten auch verfolgt werden.