Vor einem Jahr hatte Tobias R. neun Menschen mit ausländischen Wurzeln an mehreren Orten in Hanau erschossen. Die Tat reiht sich ein in weitere Angriffe. Was es braucht, damit das Gedenken an Hanau einen Unterschied machen kann. Ein Gastkommentar von Markus N. Beeko, Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland.

Es gibt Momente des Gedenkens und es gibt Momente des Handelns. Heute gedenken wir der neun Menschen, die am 19. Februar 2020 in Hanau aus rassistischem Motiv ermordet wurden: Gökhan Gültekin, Sedat Gürbüz, Said Nesar Hashemi, Mercedes Kierpacz, Hamza Kurtović, Vili Viorel Păun, Fatih Saraçoğlu, Ferhat Unvar und Kaloyan Velkov.

Wir gedenken ihrer und unsere Solidarität und Anteilnahme gilt ihren Familien, Freund*innen und Bekannten. Wir gedenken neun Menschen, die rassistische Gewalt plötzlich und unerwartet, aber nicht unangekündigt traf.

Tagtäglich gehen Verunglimpfungen, Herabwürdigungen und Aufrufe rassistischer Gewalt voraus. Die Morde in Hanau und Halle, die Tötung von Walter Lübcke, die Morde des NSU sowie alle rassistischen Gewalttaten, die es nicht ans Licht der Öffentlichkeit schaffen – sie sind Gewalt „mit Ansage“. 

Die rassistische Gewalt folgt der Sprache der Verrohung, der Entmenschlichung, der Ausgrenzung und Einschüchterung. Ob sie verborgen, scheinbar nuanciert in…